Kolumne, Nachhaltigkeit

Plastik: Raus aus meinem Leben 

Wegschauen ist nicht mein Ding. Jeden Tag möchte ich bewusst und bedacht handeln. Mir über meine Entscheidungen und deren Auswirkungen im Klaren sein. Nach außen und nach innen jemand sein, den ich mag. 

Deswegen möchte ich es wissen. Nicht alles auf einmal sondern Stück für Stück mehr von der Welt, der Geschichte und den Menschen erfahren.

Seit über vier  Jahren ernähre ich mich nun vegan und ich möchte nicht bei meiner Ernährung stoppen. Da ist noch so viel mehr, dass man sich bewusst machen kann und ich mir bewusst machen will. Vielleicht weil es mir Spaß macht und total mein Ding ist, Öko zu sein. Aber vielleicht auch einfach, weil wir es müssen.

Tag für Tag geht es weiter

Danke, dass ich so tief im Taunus wohnen kann, dass unser Leitungswasser echt gut schmeckt. Danke, dass ich in einem Land aufgewachsen bin, in dem es Zugang zu sauberem Trinkwasser gibt. Danke, dass ich sogar bedenkenlos überall in diesem Land und sogar Nachbarländern Trinkwasser in jeder Leitung finde. Danke, dass ich nicht die Auswirkungen meines Plastikverbrauchs spüre.

Um mich herum:

  • Ein iPhone in einer Kunststoff-Hülle (Lebensdauer noch ca. 1 Monat, Weiter verschenken schwierig, da: günstiger Neukauf Preis, Handy Modell veraltet, große Auswahlmöglichkeiten überall und immer im Angebot)
  • Plastikverpackung meines frischen Spinats (Lebensdauer noch 2 Stunden, keine Wiederverwendungsmöglichkeit)
  • normaler Kugelschreiber (Lebensdauer noch ca. 5 Wochen bis Mine leer ist, keine Wiederverwendungsmöglichkeit da Werbegeschenk, welches sich mehrmals monatlich erneuert)

Nur drei Beispiele. Sie reichen, um zu demonstrieren, wie egal uns die Entstehung des Mülls ist. Zur Entsorgung der drei Gegenstände ist kein großer Aufwand, keine hohen Kosten, kein weiterer Gedanke nötig. Es ist normal. Stinknormal. Ich kaufe etwas, ich schmeiße es wieder weg. Und meistens schmeiße ich sogar nur die Verpackung in der Sekunde des Kaufs weg. Ich brauche sie nicht, ich wollte sie nie.

 

Jedes einzelne kleine Teil, selbst wenn es nur eine Haarspange oder ein Aufsatz eines Kugelschreibers ist (das, was man immer abbricht, wenn man zu viel damit spielt), landet im Meer. jedes einzelne kleine Teil, bleibt dort beinah für immer. Was ist schon für immer? Plastikflaschen brauchen für die Zersetzung 450 Jahre.

Leider sind sie dann aber nicht einfach weg sondern nur in kleinste Mikroplastikteile zersetzt. Das isst dann ein ganz kleiner Fisch, ein größerer Fisch isst dann den kleinen Fisch und so weiter und dann lasst Ihr Euch den Fisch schmecken. Nach der Verdauung landen diese Mikroplastikteile dann wieder im Abfluss und wieder im Meer.

Tag für Tag ist es mehr Plastik, mehr Müll, mehr Gifte und…. weniger Welt, wie wir sie schätzen und lieben.

Einfluss von Plastik auf Deine Gesundheit

Das ist natürlich nicht so ganz gesund, wenn man Fisch isst, welcher Plastik in seinem Magen hatte. 2014 wurde vom NDR ein Bericht veröffentlicht: Man fand Mikroplastikteilchen sogar  in Bier und Mineralwasser. Irgendwie will ich das nicht essen und ich würde es auch keinem Gast zum Essen anbieten wollen. Dazu muss ich nicht mal wissen, was das genau mit meinem Körper anstellt aber es klingt einfach nur schädlich.

Dann ist da noch der nette Begleiter, nämlich die Plastikflasche. Leicht zu tragen, leicht zu kaufen, günstig, normal. Es gibt sehr, sehr viele Studien zu Hormonvorkommen in Wasser aus Plastikflaschen. Wenn ihr wollt, googelt das doch einfach mal. Ansonsten reicht euch vielleicht die Aussage, dass Wasser aus Plastikflaschen höher mit Hormonen belastet sei, als Abwasser. (Was? Wieso soll denn Abwasser mit Hormonen belastet sein? –  Die nicht so tolle Antibabypille wird hier als Grund gesehen. Wieso ich die Antibabypille noch nie leiden konnte und auch noch nie genommen habe, schreibe ich bald in einem neuen Eintrag).

Das Ende

Google sei Dank, ok nein, ich gebe es zu: Ich benutze Ecosia (eine super ökologische Suchmaschine, die Bäume dafür pflanzt, dass ich mich da schlau suche), kann man unter dem Stichwort „Plastikmüll Meer“ sehr, sehr viele Bilder sehen. Neu erfahren habe ich, dass es sogar schon Namen für die Plastikmüll Strudel im Ozean gibt, z.B. den „The Great Pacific Garbage Patch„. Erschreckend zu spüren, wie viele Menschen, Organisationen und UN-Gipfel sich schon mit dem Problem „Plastik“ beschäftigt haben. Wie viel Geld und Zeit schon in diese Projekte geflossen sind. Und alles ohne Verbesserung oder Veränderung bisher.

Dein Leben

Und wiedermal, Ihr selbst habt es in der Hand. Ich bin mir sicher, dieses Thema ist nicht unbedingt etwas neues für Euch. Selbst in deutschen Supermärkten ist es immerhin an der Kasse angekommen. Bloß fühlt man sich jetzt gut, weil man auf die Plastik Einkaufstüte verzichtet oder für sie bezahlt und denkt dann das reicht. Viel zu oft entspannt sich diese Gesellschaft auf den Staatsgrenzen. Uns geht es gut und so lange der Staat uns nicht einschränkt und uns das Plastik weg nimmt, kann es ja gar nicht so schlecht sein. Aber wieso fangt Ihr nicht heute damit an, nach plastikfreien Dingen Ausschau zu halten, über Euren Lebensstil nachzudenken und zum Beispiel als ersten Schritt die Benutzung von Plastikflaschen abzulehnen.

Der Anfang

Neulich bin ich auf The Ocean Clean Up gestoßen. Dies ist eine Technologie, deren Entwicklung vor ein paar Jahren noch von Crowdfunding unterstützt wurde. Diese Technologie soll in fünf Jahren die Hälfte des Müll aus dem The Great Pacific Garbage Patch sammeln. Dann wird es aufwendig recycelt. Hier erfährst du mehr über die Technologie.

Es ist toll zu sehen, was mittlerweile für attraktive Lösungsmöglichkeiten entworfen werden.

Und was kann ich selbst noch heute machen? 

  1. Nicht direkt losrennen und konsumieren und dafür die „alten, blöden Plastikteile“ wegschmeißen. Re- und Upcyclen! Es ist viel besser, bewusst zu konsumieren und zu überlegen: „Muss ich das jetzt wegschmeißen oder kann ich es noch irgendwie verwenden?“
  2. Schicken Trinkbehälter kaufen, denn Trinken haben wir alle gerne dabei und die Plastikflasche solltet ihr wegen eurer eigenen Gesundheit eben nicht mehrmals benutzen.
  3. Wenn es zu deinem Lebensstil passt, wie wäre denn mal ein Besuch auf dem Markt? Da kann man wirklich fast alles plastikfrei einkaufen, wenn man denn eine selbstgemitgebrachte Tasche dabei hat, wie z.B. diese super coole Tasche mit dem Spruch „Your plastic bag is so yesterday“.
  4. Wie wäre es mit Glas Strohhalmen für die nächste Limo auf dem Balkon?
  5. Zahnbürste: huch, die ist ja auch Plastik. Seit gestern habe ich nun meine erste plastikfreie Zahnbürste und bin echt gespannt, ob ich einen Unterschied feststellen werde!
  6. Eis in der Waffel und nicht im Becher, selbst wenn du die Waffel jemandem schenkst.
  7. Schmeiß Deine nächste Party lieber mit echten Gläsern,  als mit Wegwerf-Bechern
  8. Egal wie billig das Teil war, behandle alles mit Respekt und Vorsicht. Wie oft kaufen wir alle neue Kopfhörer, weil wir die alten schlecht behandelt haben und dann nur den Gedanken haben „oh, ich muss ja neue kaufen“ und nicht „oh, ich muss sie jetzt entsorgen“.

Die Plastik Diskussion ist beinahe so groß und divers wie man Plastikflaschen auf dem Meeresboden finden kann. Deswegen: Dies ist nur ein Teil meiner persönliche Plastik Welt und ich bin mir sicher, da gibt es noch das ein oder andere, was man bedenken sollte. Und falls Ihr denkt, ich wäre komplett plastikfrei: Nein, leider, leider nicht. Mein Bewusstsein dafür wollte ich dennoch heute mit Euch teilen.

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