Kolumne

Leben statt existieren oder: Wie ich zwei Studiengänge abbrach

Everything happens for a reason

Und manchmal weiß man eben doch nicht, wieso und wofür etwas passiert. Wieso musste ich zwei Studiengänge anfangen, nur um festzustellen, dass beides nichts für mich ist. Hätte ich es vermeiden können und direkt „das Richtige“ beginnen können? Hätte ich einfach durchhalten sollen um jetzt nicht wieder „von Neu“ anzufangen?

Streben nach Erfolg

Heute möchte ich mich euch als ERFOLGREICHE Uni-Abbrecherin vorstellen. Falls ihr mal irgendwelche Fragen dazu habt, her damit. Ich bin Profi.

Ja, ich weiß. Erfolgreich nennt man das nicht wirklich. Aber ganz ehrlich, ich kann gar nicht mehr über „Erfolg“ nachdenken. Was soll das denn sein?

Bezeichnet man etwas mit Erfolg, wenn man mit einer gebrachten Leistung vollkommen zufrieden ist, wenn man etwas erreicht hat? Bedeutet Erfolg, endlich stoppen zu dürfen? Bedeutet Erfolg, glücklich zu sein?

Drei Jahre sind jetzt seit meinem Abitur vergangen. Seit dem habe ich fast gar nichts erfolgreich abgeschlossen. Andere schon. Und trotzdem bin ich nicht weniger aber auch nicht unbedingt mehr glücklich als sie.

Ich bereue keinen einzelnen Anfang, kein Ende, keinen Tag Freiheit. Aber ich bereue die Stunden und Tage, als ich dachte, ich mache etwas falsch. Ich dachte doch ehrlich, ich darf das nicht, es führt zu nichts und das ist kein Weg, auf dem ich mich befinde sondern nur ein Stopp.

Während meines Australien Aufenthalts nach dem Abitur lernte ich, was es heißt, wirklich glücklich zu sein. Sorgenfrei, positiv und fokussiert auf Lebenserfahrungen. Und dann dachte ich, ich müsste den perfekten Studiengang wählen, um dieses Glück in meinem späteren Leben zu finden. Während ich nach Glück strebte, verwechselte ich dieses mit Erfolg. Ich dachte doch wirklich, ein Studiengang der für viele Menschen toll klingt, der mir gute Berufschancen schenkt, wäre mein Weg zum Glücklich sein. Ich lag so falsch.

Was willst DU?

Übers Abbrechen und Hin und Her Schwanken rede ich nicht gerne. Meistens sind die Fragen ja leider nicht verständnisvoller sondern eher verwunderter Natur. Gerne fange ich mir immer noch Bewunderung dafür ein, vor zwei Jahren mit Biochemie angefangen zu haben. „Oh wow, das muss ja hart gewesen sein. Du musst ganz schön intelligent sein.“ Doch irgendwie war das nie ein echtes Kompliment für mich. Es klang immer erstrebenswert vor Anderen, die Idee als Forscherin Geld zu verdienen, Menschen mit meinem Wissen zu überzeugen. Aber das war nie ich. Ich hatte bloß eine gewisse Zeit genug Kraft, diese Rolle zu spielen und dann fiel es von mir ab.

Es ist nicht leicht, abzubrechen. Doch irgendwann ist der Missfallen am eigenen Alltag und dem erfundenen, falschen Ziel, so groß, dass man weiß, es geht nicht mehr. Ich bin nicht glücklich.

Dann folgten Sommermonate, gefüllt mit wenigen Reisen und dem schönsten aller Sommer-Praktika. Schließlich der Entschluss, weiter zu machen. „Dann halt was mit Management..“ Also startete ein neues Semester an einer neuen Hochschule. Kurz vor der Prüfungsphase sah man mich dort wieder nicht. Der Stress war zu groß. Es war zu früh, zu schnell, zu unüberlegt, zu wenig ich. 

Doch dann wusste ich, es führt kein Weg zum Glücklichsein durch einfaches Durchhalten, durch bloß jeden Tag in die Uni und sich anstrengen und dann irgendwann der Bachelor. So bin ich nicht.

Wir haben die Freiheit, uns zu entscheiden

“To live is the rarest thing in the world. Most people exist, that is all”.

Oscar Wilde erinnert uns daran, dass wir so viel mehr können, als bloß existieren. Wir haben die Chance, das für uns Beste zu tun und zu erreichen. Wir müssen nichts und niemandem hinter her rennen, nur weil man das eben so tut und die große Mehrheit das von einem verlangt. Nur du selbst schuldest dir etwas. Du selbst schuldest dir ein Leben und eine Lebensweise, hinter der du stehst.

Ich muss zugeben, ich stand nicht immer so über meinen Gefühlen und Entscheidungen, wie ich es jetzt stehe. Nein, selbst das ist eine Lüge. Besser: Ich stehe nicht immer so zu meinen Entscheidungen, wie an guten Tagen.

Heute ist ein guter Tag und ich möchte euch allen da draußen etwas raten:

Was auch immer es ist, was euch keine Freude bereitet, euch glückliche Zeit raubt oder euch davon abhält, das für EUCH Wichtigste zu tun, hört einfach damit auf. Der Prozess mag schwierig und kräftefordernd klingen, aber es ist es wert.

Wir haben alle nur dieses eine Leben. Wir alle, die das hier lesen können, haben ein sehr tolles Leben. Alles, was uns davon abhält, wirklich glücklich zu sein, gehört nicht in dieses Leben. Dann zieht jeder einzelne Tag an dir vorbei.

Wirklich glücklich sein, hat in meinem Leben, zur Zeit, nicht mit der Wahl meines Studiengangs zu tun. Es erscheint mir dennoch in Ordnung, diese Welt ab Oktober erneut in mein Leben zu integrieren. Aber es wird nie wieder mein Lebensmittelpunkt.

Nur für mich

Ich bin froh darüber, endlich diesen Blog zu haben und damit eine neue, weitere Identifikationsmöglichkeit. Zu wissen, dass mich mein Bachelor nur in meinen Zielen unterstützen wird, er aber nicht ausschlaggebend für meinen Weg ist, schenkt mir Kraft. Genug Kraft, Entscheidungen mit größerer Lockerheit zu treffen. Genug Kraft, mich in den Kreis der anderen Tausend Studenten einzufügen. Mit ihnen nach guten Noten zu jagen und dann irgendwann nach dem tollsten Job. Auf der Suche nach meinem persönlichen Erfolg.

Und doch wäre ich eigentlich gern irgendwo am Indischen Ozean, würde jeden Tag tauchen und das Meer erforschen und andere Menschen von den Wundern der Natur überzeugen. Fern von geschaffenen Erfolgswünschen und dem Wettkampf zum Erreichen des besten Lebensstandards sein.

Doch ich bin und bleibe für diesen Moment nur der Hippie im Herzen, laufe barfuß durch diese Anzugwelt und behalte mir das als Traum. Denn dann bleibt mir an jedem fremdgesteuerten Tag noch der Funken Hoffnung, die Idee in meinem Kopf. Und sie hilft mir auf meinem Weg hier in Deutschland. Denn nun muss ich keine Angst mehr haben, ich fühle mich nicht mehr lost. Denn da ist immer dieser Ort, an den ich kehren kann, der zu mir gehört, sobald ich es will. Und das Wissen, dass ich wahres Glück in mir trage und mir nicht durch Bewunderung von Außen geschenkt werden kann.

4 thoughts on “Leben statt existieren oder: Wie ich zwei Studiengänge abbrach

    1. Hallo liebe Hannah,
      Das ist eine gute Frage! Meine Familie hilft mir finanziell und ansonsten habe ich seit drei Jahren immer nebenbei einen Job gehabt, der mir ermöglicht hat mir auch etwas zu leisten.

      Liebe Grüße
      Johanna

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