Kolumne

Über unschöne Tage

Es ist Montag, die Nacht war geprägt vom Aufwachen durch Blitz und Donner, einem Ventilator, dessen Zeitschaltuhr immer dann ausging, wenn man sie gerade noch fünf Minuten zum Wiedereinschlafen gebraucht hätte und einem Wecker, der einfach viel zu früh geklingelt hat. 

Und dann hat es doch echt seit heute Morgen einfach pausenlos geregnet. Und los gings: das ist nicht mein Tag. 

„Heute gibt es bestimmt keinen Blogeintrag. Lasst mich in Ruhe mit Eurer Instagram-schöneWelt-Selfie-Blase und denkt bloß nicht, ich arbeite heute meine TO-DO Liste ganz still und fromm ab.“

Ja, es gibt sie, diese Tage an denen alles schief, alles blöd und alles weit entfernt von SCHÖN ist. Und dann lief ich durch den Regen, die frisch gewaschenen Haare wurden wieder nass. Die Füße in den FlipFlops auch und da war es wieder: 

Heute ist der beste Tage meines Lebens. Und jeder Tag ist es, wenn ich mich dazu entscheide. 

Glück findest Du nur in Dir selbst. Du brauchst nicht mehr als Deine eigenen positiven Gedanken um strahlen zu können. Du brauchst nur Dich. 

Und dann fragte ich mich, wieso um alles in der Welt „schöne Momente“ zugleich die „teilbaren“ sind. Wieso Instagram, Snapchat, Facebook und mein Blog bis oben hin gefüllt sind mit tollen, hübschen Momenten und Menschen. Wieso ist makellos das, was wir sehen wollen? Und wieso Makel und Zweifel nicht als „schön“ gelten. 

Wir alle lassen uns herunterziehen. Von Situationen, die nicht passen. Von besserem Aussehen, besseren Momenten.. vom besseren Leben. Das hat immer jeder, bloß nicht man selbst. 

Nein. Dein Leben ist nicht immer hundertprozentig das, was Du willst. Leider gibt es nur einen Grund, weshalb das so ist: Du verfolgst das falsche Ziel!

Anstatt darüber nachzudenken, wie Du deine eigene Positivität unterstützen kannst, versuchst Du in anderen Dingen oder Menschen das Schöne zu klauen. 

Schönheit liegt im Blicke des Betrachters. 

Damit meine ich nicht, dass es unterschiedliche Auffassung von Schönheit gibt sondern dass DU selbst dich dazu entscheiden kannst, etwas schön zu finden. 

Ich habe schlecht geschlafen? Wie schön, dass es mir so gut geht, dass ich mich nach einer schlechten Nacht anders, in dem Fall weniger fit, fühle. 

Ich bewerbe mich zum dritten Mal für Universitäten und bin weit entfernt davon, komplett hinter meinem nun angestrebten Studiengang zu stehen? Wie schön, dass ich mir selbst am wichtigsten bin und Erfahrungen über schnell erhaltene Abschlüsse stelle. 

Ich bin heute traurig und möchte nicht meine lächelnde Fassade aufrecht erhalten? Wie schön, dass ich meine Emotionen frei heraus lassen kann. Dass ich mich mit Menschen umgeben kann, die mich nicht verurteilen sondern mich so lieben und akzeptieren, wie ich bin. 

Vielleicht merkt ihr es an dieser Stelle schon. 

Dankbarkeit ist der Schlüssel. 

Dieser Schlüssel passt in das Tor zum Glücklichsein. Allerdings muss man manchmal viele Türen aufschließen, bin man am eigentlichen Glücks-Schlüsselloch angekommen ist. Ich meine: Dankbarkeit muss man lernen.

Schon in meinem letzten Artikel über Skincare schrieb ich, dass ich keine „Makel“ in meinem Gesicht mehr überschminke. Genauso wenig möchte ich mich vor anderen Menschen verstecken müssen, weil ich denke, ich bin weniger wert, weil ich 21 bin, aber noch immer keinen Uni- oder Arbeitsalltag habe. Meine Beziehung zu meinem Freund ist nicht weniger gut, wenn er alles Negative von mir weiß und mitbekommt, als wenn unser gemeinsames Leben nur aus perfekten Date-Situationen bestehen würde. Und ganz genauso soll dieser Blog sein. 
Ich träume von einer Netz-Welt in der Makel und unschöne Dinge keine Ausnahme mehr sind. Eine Welt in der es kein „Anders sein“ mehr gibt. Wir sind doch alle sowas von unterschiedlich und dadurch vereint. 

Es ist an der höchsten Zeit , dass sich Selbstdarstellung im Netz endlich ändert. Endlich mal ehrlich wird. 

Denn wir alle benutzen es tagein, tagaus. Zeit, dass es mit mehr Realität gefüllt wird. 
Und nun genieße ich den restlichen Montag, gestatte ihm anders zu sein, als ich mir gestern noch gewünscht hatte und lasse mich nicht davon runterziehen, dass andere Menschen im Netz gerade scheinbar einen „perfekten Tag“ haben. Denn: es ist nur ein perfekt aussehender Fotomoment. 

Perfektion ist nicht nur langweilig, sie ist gelogen.

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